Petrus Canisius

... zu damals und heute wichtigen Fragen
Canisius soll an dieser Stelle selbst zu Wort kommen. Die Texte sind weder sachlich noch biographisch geordnet, so daß sie z.B. im Unterricht durch entsprechende Aufgaben den biographischen Daten von Canisius zugeordnet und interpretiert werden können.
Zur Lage der katholischen Kirche in Deutschland
Allgemein gesprochen möchte ich sagen, daß man unter den heutigen Deutschen vergebens nach praktischem Interesse an der Religion sucht. Der Gottesdienst der Katholiken ist so ziemlich auf das Halten einer ohne alle Begeisterung vorgetragenen Predigt an Festtagen beschränkt. Was vom Fasten in der Fastenzeit übrig ist, ist bloß der Name. Denn niemand fastet. Ob und wie selten besucht ein Mann die Kirche und die heilige Messe oder bekundet durch irgendein äußeres Zeichen, daß er noch Freude hat am alten Glauben! Die Lage ist danach, einen, der sie ernstlich erwägt, das Herz still stehen zu lassen. Die Häresie kann weder durch Gewalt noch durch Reform überwunden werden, und wir sind beim besten Willen machtlos, den verloren gegangenen Glauben wiedreherzustellen, weil es zu wenig Priester gibt oder in Wahrheit keine.
Canisius über seine Erfahrung mit den Exerzitien
Ich machte eine gute Reise nach Mainz und fand zu meiner großen Freude den Menschen, den ich suchte, wenn er überhaupt ein Mensch und nicht ein Engel Gottes ist. Niemals habe ich einen gelehrteren und gründlicheren Theologen gesehen oder gehört, noch irgendeinen Menschen von so leuchtender Heiligkeit. Sein heißestes Verlangen ist es, in Verbindung mit Christus am Heil der Seelen zu arbeiten. Obwohl alle seine Worte voll sind von Gott, werden seine Zuhörer doch nie gelangweilt und müde. Ich für meinen Teil kann kaum Worte finden, um dir zu sagen, wie diese "Geistlichen Übungen" meine Seele und Sinne umgewandelt, meinen Geist mit neuen Strahlen himmlischer Gnade erleuchtet und mich mit neuer Kraft und Stärke erfüllt haben. Die Fülle göttlicher Gnaden strömt sogar auf meinen Leib über und ich fühle mich ganz belebt und in einen neuen Menschen umgewandelt.
Canisius vor seinen letzten Gelübden
Dort fühlte ich großen Trost und große Gnade, die mir durch diese Fürsprecher bei Dir in süßer Weise mitgeteilt wurde. Sie gaben mir ihren Segen und stärkten mich für meine Sendung nach Deutschland, und sie schienen mich als einen Apostel Deutschlands ihres Schutzes zu versichern. Du weißt, o Herr, wie sehr und wie oft Du mir an jenem Tage Deutschland empfohlen hast. Von diesem Tage an sollte Deutschland mein Sorgen und Denken immer mehr einnehmen.
Canisius über Rom und die religiöse Lage im Norden
Man erlebt die schlimmsten Ärgernisse beim hohen und niederen Klerus hierzulande, aber es würde einen großen Umschwung bedeuten, wenn wenigsten einige wenige mit einem beispielhaften Leben und durch das Wort ihrer Unterweisung und mit Ausdauer zu Hilfe kommen wollten. Indessen scheint man in Rom davon nichts zu ahnen, und oft genug trägt man dort keinerlei Sorge selbst dann, wenn es gar nicht schwer wäre. Entweder hat man dort keine Kenntnis über die hiesige Lage oder man hält die ganze Situation für verzweifelt, und so schreibt man den Rest, der noch in Israel ist, das heißt Tausende von unsterblichen Seelen, die man noch im Glauben bewahren könnte, wenn nur gerechte und wahre Seelenhirten hier wären.
Canisius über seine Probleme mit dem Amt des Universitätsdirektors
Ich kann nicht anders, als nicht nur die Verschiedenheit, sondern auch die Gegensätzlichkeit der Dienstleistungen in unserer Gesellschaft bewundern. Während einige unserer Väter sich eifrig um den Besuch von Gefangenen bemühen, siehe da, ich bringe Leute ins Gefängnis!
Canisius bei seinen letzten Gelübden
Meine Seele warf sich vor Dir hin, meine schwache und entstellte Seele, unrein und angesteckt von vielen Fehlern und Leidenschaften. Aber Du, mein Erlöser, öffnetest mir Dein Herz in einer solchen Weise, daß es mir war, als sähe ich in dieses Herz hinein, und Du ludest mich ein und befahlst mir, von dieser Quelle des Heils zu trinken. Groß war in diesem Augenblick mein Verlangen, es möchten sich Ströme von Glaube, Hoffnung un Liebe aus ihm in meine Seele ergießen. Nachdem ich so gewagt hatte, von Deinem Herzen, das so voll der Süßigkeit ist, zu nehmen und meinen Durst mit ihm zu stillen, versprachst Du mir ein Kleid, aus Friede, Liebe und Beharrlichkeit gewoben,m um mit ihm meine nackte Seele zu bekleiden.
Canisius und die Freundschaft unter Mitbrüdern
Es ist unmöglich, daß ich je Deine Liebe zu mir vergesse. Sie mird immer in meinem Herzen befestigt und eingegraben bleiben, wenn Du mir auch niemals ein Wort schreiben und wenn ich auch niemals wieder das Antlitz meines Polanco sehen könnte. Es geht über meine Kräfte, in Deiner Abwesenheit sogar den Gedanken an Dich nicht zu lieben und zu liebkosen.
Canisius über die deutschen Bischöfe
So hat man durch viele Jahre die Visitation der Pfarreien ausgesetzt, man hält keine Synoden, die Dekrete des Tridentinum werden nicht veröffentlicht, die Priesterkandidaten werden nicht ordnungsgemäß geprüft, Sünden und Vergehen des Klerus werden nicht geahndet. Petrus schläft und Judas wacht.
Über den Nutzen von Jesuitenkollegien
Drittens kann das Kolleg außer Lehrern und Studenten der Theologie den weiteren Vorteil bringen, daß es eine Anzahl von gründlich gebildeten Männern besitzen wird, die durch ihr gutes Leben und ihrem frommen Umgang andere in Christus erbauen, was offenbar das Hauptbedürfnis der Zeit ist. Viertens halten wir es für gewiß, daß im Verlauf der Zeit aus dem Kolleg Männer hervorgehen werden, die sich nach der Vollendung ihrer Studien würdig in die Dienste der Öffentlichkeit stellen und dabei nicht ihren Nutzen, sondern das Beste anderer und die Sache Jesu Christi suchen werden. Sie werden Vorlesungen halten, lehren, predigen und sich anderen derartigen Aufgaben der Frömmigkeit im öffentlichen und privaten Leben widmen, indem sie alles unentgeltlich und aus Liebe tun, wie es der Geist dieses Gesellschaft Jesu verlangt.
Canisius über seine persönlichen Präferenzen
Diese Aufgabe war mir jetzt eine solche Bürde, da ich wenig Hilfe von den anderen Vätern erhalte, so daß, wenn ich ihr auch alle meine Zeit widmete, es kaum genügen würde. Überdies würde ich, wie ich Vater Klaudius oft vorstellte, meine Dienste gerne in Nonneklöstern, en Gefängnissen und Krankehäusern widmen, wenn ich nicht durch diese Arbeit gehindert wäre. Aber nach so vielen Monaten stecke ich noch immer in den Anfängen und sehe nicht, wie ich in der nächsten Zukunft irgendwelche Fortschritte machen könnte.
Canisius an einen Katholiken mit Neigungen zum Protestantismus
Es hat mich niemand gedrängt, Ihnen zu schreiben, noch hatte ich, ich versichere Sie, eine Ahnung, daß Sie Gefangenschaft zu erleiden haben. Je aufrichtiger ich Sie liebe, umso freimütiger ermahne ich Sie, sich in Sachen Religion nicht zuviel auf das eigene Urteil zu verlassen. Sie verstehen sie nicht und Sie werden sie niemals richtig handhaben, wenn Sie sich nicht ohne Vorbehalt nicht nur dem Buchstaben der Schrift, sondern auch den Dogmen und Lehren der Kirche unterwerfen. Werden Sie ein kleines Kind und es wird Ihnen die wahre Weisheit gegben werden.
Canisius über den Priestermangel
Was die protestantischen Bücher betrifft, so kann ich Sie versichern, daß ihre Zahl unendlich ist, sowohl in den großen Städten als auch in den kleineren auf dem Lande. Die Regierung und das Volk begünstigen offen die Neuerer. Und bei alledem herrscht überall ein so schrecklicher Priestermangel, daß die Bischöfe, so fürchten wir, es immer mehr vorziehen dürften, lieber verheiratete oder abtrünnige Priesterin ihren Pfarreien zu dulden, als das Volk jedes Gottesdienstes beraubt zu sehen.
Canisius über die Notwendigkeit eines Katechismus
Ich habe diese Sache oft mit meinen Brüdern hier erörtert und wir stimmten überein, daß es die größte Hilfe für uns und andere wäre, wenn Sie die Gaben, mit denen Gott Euer Hochwürden ausgestattet hat, benützten und für den Unterricht der Kinder ein passenderes Handbuch schrieben als die meisten jetzt im Umlauf befindlichen Katechismen. Ich bitte Sie also innigst um des allgemeinen Wohles Deutschlands willen, wenn Gott Ihnen irgendwelche Gedanken über den Gegenstand eingibt, sie uns gütigst mitzuteilen.
Canisius und Bischof Otto Kardinal Truchseß von Waldburg
a) Der Kardinal ist mir sehr zugetan, so daß er seine Würde zu vergessen scheint
und sein Leben in allem unserem Urteil unterwirft. Er zeigt besondere Demut und
trägt sich ernsthaft mot dem Gedanken, sich selbst zu ändern.
b) Um die Kirche von Augsburg steht es schlechter als man glauben kann, und inzwischen
belastet ihr Bischof sein Gewissen mit so großen Bürden, daß ich mich wundern muß, wie
er ruhig schlafen kann. Ich bitte, mir meinen Freimut zu verzeihen, wenn ich so offen
rede. Aber ich liebe meinen Herrn Kardinal Otto, dem ich vor allen verbunden bin. Mir
wäre lieber, er lebte ohne sein Bischofsamt, als daß er sich nur des Titels erfreut, und
die Schafe, von deren Wolle er sich nährt, nachlässig weidet. Mögen andere auf die
zeitlichen Vorteile schauen, ich berufe mich auf das künftige Gericht und betrachte die
Strafen, die den schlechten Verwalter erwarten, mit größter Furcht.
Canisius mit einer kompromißlosen Position
Wir sehen, daß jetzt der Kelch verschmäht wird, den sie allegemein zu usurpieren begannen, und Satan mit großer Macht zur Abschaffung des Meßopfers schreitet. Man mag den Kelch gewähren: sie werden dennoch nicht die Autorität des Papstes und der Kirche anerkennen, wie ich fürchte.
Canisius über den Jesuitenorden
Wir halten treu an unseren Ordenssatzungen fest, die wir als Gefolgsleute Christi erwählt haben. Allerdings verfolgen uns manche mit Haß und Feindschaft, und dies hat uns den Namen Jesuiten eingetragn. Wir denken jedoch nicht daran, jenen heiligsten Namen für uns allein in Beschlag zu nehmen, da wir ja kaum seine Jünger, sondern höchsten seine Knechte sind, dem Dienst des Kreuzes verschrieben. Mit Verachtung aller anderen Dinge haben wir uns das Kreuz als einziges Ziel vor Augen gestellt. Und wir haben es überall aufzurichten versucht, sicher nicht ganz ohne Erfolg. Daß wir arbeiten für das Seelenheit der anderen Menschen, ist unser Nutzen und Gewinn. Das ist das Ziel, auf das hin unsere Studien ausgerichtet sind, darauf verwenden wir unsere Kraft und danach streben wir.
In einer Predigt
Wir wollen Christus dem Herrn Dank sagen, der in die Welt gekommen ist, wie geschrieben steht,
die Sünder nicht zu richten, sondern selig zu machen, und deswegen seine Liebe und
Barmherzigkeit gegen den sündigen und berüchtigten Mann Zachäus auf vielerlei Weise kundtun
wollte. Denn deswegen unternahm er die weite Reise nach der berühmten Stadt Jericho, und
durchwandelte diese Stadt, genauso als wenn der gute Hirt sein verlorenes Schaf sorgfältig
sucht.
Dann beschämt uns Zachäus, der zwar von Wuchs klein, aber durch lebendigen Eifer und
bereitwilligen Gehorsam groß und erhaben war, da er durch den ersten Laut Christi ganz ermuntert,
obschon er die Ursache des unerwarteten Befehls nicht wußte, doch von dem Baum, den er bestiegen
hatte, augenblicklich herabsteigt, seine Wohnung bereitet und den unbekannten Gast, der, von
vielen begleitet, vorbei kam, gerne und freundlich aufnimmt.